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Prolog

Cover Ruf des Schicksals

DU HAST KEINE Wahl!", fauchte der massige Kater. Im Mondlicht sah er gespenstisch aus, sein Pelz leuchtete silbern. Er saß direkt vor einer kleinen, hellgrauen Gestalt, die die Ohren ängstlich angelegt hatte, jedoch trotzig zurückstarrte. "Manchmal können wir uns vor unserem Schicksal nicht verstecken, wir können es nicht ignorieren. Wir müssen uns ihm fügen und stellen. Nur so kann es sich erfüllen." Der große Kater seufzte verächtlich. "Aber wie willst du so etwas wissen? Du bist doch nur ein Schüler. Ich frage mich, ob Sumba die richtige Entscheidung getroffen hat..." Er stand auf und tigerte im Mondschein herum. Der Schüler hatte die Augen ängstlich auf ihn gerichtet, folgte gebannt jedem seiner Pfotenschritte.

Plötzlich blieb der Graue stehen. "Wie heißt du eigentlich?", fragte er. Der Schüler nannte ihm stotternd seinen Namen. Der massige Kater verengte seine bernsteinfarbenen Augen und wiederholte ihn. "Was hat er sich nur dabei gedacht?", murmelte er mit Abscheu im Blick. Der Schüler wagte es nicht, sich zu regen. Starr sah er auf den Punkt zwischen den Augen seines Gegenübers. Was konnte er denn schon tun? Was wusste er denn schon? War es nicht unfair, ihn mit dieser Verantwortung auszusetzen?

Plötzlich durchstrich eine Windböe die Dünen. Sand wirbelte auf, brannte in den Augen des Schülers und strömte unter seinen dichten, glatten Pelz. Hustend und keuchend spuckte er die Körner aus, die sich zu Schlamm in seinem Mund angesammelt hatten. Er kniff die Augen zusammen und presste die Schnauze auf die Brust. Instinktiv kauerte er sich flach auf den Boden. Solche Sandstürme gab es nicht selten. Meistens aber kamen sie nicht so unverhofft und dauerten länger an. Doch dieser hier ging so schnell wie er gekommen war. Der Schüler öffnete blinzelnd die Augen, um sich dem großen Kater wieder entgegen zu stellen. Doch da war niemand mehr. Er sah sich stürmisch um, drehte den Kopf zu allen Seiten, doch es war, als wäre der Graue mit der Böe davongetragen worden. Der Schüler senkte den Kopf. Er wünschte sich, nie an diesen Ort gekommen zu werden, nie diese Dünen, die trostlosen Sträucher und die vertrockneten Farne gesehen zu haben. Er wünschte sich sein altes Leben zurück.

Cover Ruf des Schicksals2


WARRIOR CATS

Ruf des Schicksals

(Warrior Cats- Call of Destiny)


1. Kapitel

DER MORGEN WAR trüb und grau. Fast konnte Sandpelz es sich nicht vorstellen, dass in wenigen Stunden die Lichtung von der Mittagshitze dampfen und der Sand heiß glühen würde. Das Lager sah so friedlich und unbeschwert aus. Vom Kriegerbau aus konnte man in das Schülerlager blicken, auf die kleinen, fahlfarbenen Pelze, die zu Knäulen zusammengerollt oder wie tote Beute leblos ausgestreckt lagen. Auf dem Stein der Ältesten lagen die räudigen, alten Katzen, die es geschafft hatten, ihr Leben lang dem Clan zu dienen und nicht in der Hitze der Sandwärme zu versengen oder in der eisigen Kälte des Sandfrosts zu erfrieren.

Leblos wie ein welkes Blatt lag die Kuhle da, das rhytmische Schnarchen vermischte sich zu einem Trauermarsch. Schwer lag der Morgen über dem Lager.

Sandpelz hatte sich bei Farnkralle und Frostpelz, seinen besten Freunden zusammengerollt. In der kalten Nacht hatten ihre Pelze ihn angenehm gewärmt, doch jetzt fiel die aufgehende Sonne wie ein hungriger Adler über die Schlafplätze her. Geschickt befreite er sich aus den Pelzwänden, die ihn umgaben und schlich aus dem Kriegerbau. Er begann den Tag mit ein paar Dehnübungen und einer gründlichen Wäsche. Dabei beobachtete er, wie immer mehr Katzen in die Mitte des Lagers krochen und sich zu ihm gesellten. Flusspfote, eine hübsch getupfte Schülerin, kroch schüchtern aus ihrem Bau und setzte sich ein Stück neben Sandpelz auf den Felsboden. Sie warf ihm einen unsicheren Blick zu, und als er ihr freundlich zunickte, senkte sie die Augen und begann, sich hastiig zu waschen. Hinter Sandpelz kam Frostpelz aus dem Bau der Krieger getrottet, ihr graubraunes Fell stand in allen Richtungen ab. "Guten Morgen, Sandpelz.", murmelte sie verschlafen und ließ sich neben ihm fallen. Der hellbeige Krieger fuhr ihr mit der Zunge über den Kopf und erwiderte den Gruß.

"Meinst du, die Nachtpatrouille hat was gefangen? Ich bin hungrig wie eine Schlange.", brummte seine Freundin. Sandpelz zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung. Wir sollten in der Beutekuhle nachsehen."

Frostpelz, die gerade damit begonnen hatte, ihr Brustfell energisch zu waschen, blickte auf. "Bringst du mir was mit, wenn du hingehst?", fragte sie.

"Wir können uns einen Falkenflügel teilen, wenn es noch einen gibt.", schlug Sandpelz vor. Frostpelz nickte hungrig und widmete sich dann wieder ihrer Fellpflege.

Sandpelz trat durch den Lagereingang und kletterte geschickt die Anhöhe hinunter. Die Beutekuhle lag versteckt unter den Wurzeln eines knorrigen Baums, wo sie geschützt vor Dieben war. Doch als er sich ihr näherte, entdeckte er eine große, weißbraune Gestalt, die sich an dem knorrigen Wurzelgitter zu schaffen machte.

Er kauerte sich nieder und kroch rasch über den Boden auf den alten Baum zu. Er wand sich wie eine Schlange, spürte, wie sein sandfarbener Pelz sich auf dem Boden auflöste. Es gab keinerlei Deckung, er war nur auf seine Tarnung angewiesen, doch es reichte ihm. Nun konnte er den Dieb ausmachen: es war ein junger Falke, der mit seinem Schnabel unter die Wurzeln pickte und ein Beutestück seiner Art herauszerrte. Auf Sandpelz' Schultern stellte sich das Fell auf. Niemals käme er auf die Idee, einen eigenen Artgenossen zu verzehren, nicht einmal bei größter Hungersnot! Angewidert machte er sich zum Sprung bereit. Eigentlich brauchte es mindestens zwei Katzen, um einen Vogel dieser Größe zu fangen, doch seine Beute lauerte so gut in der Falle, dass er ihn allein erlegen wollte. Außerdem bediente er sich gerade an Sandpelz' Frühstück!

Er wartete noch einen Herzschlag, kauerte sich zusammen, spannte alle Muskeln an und fixierte den Rücken des Falken, dann stieß er sich vom Erdboden ab und landete auf seiner Beute. Überrascht kreischte der Vogel und faltete seine Flügel aus. Sandpelz fuhr ihm mit den Krallen über die Flanken, riss Federn aus und beeilte sich, die Flügel des Tieres zu fangen, doch dieser war kräftig und erhob sich unter Geschrei in die Lüfte, immer wieder hinuntergezogen vom Gewicht seines Angreifers. Der Kater verbiss sich im Nacken des Vogels und strampelte mit den Beinen, um ihn so gut wie möglich zu behindern, doch die junge Beute setzte sich erfolgreich zur Wehr. Nach einem harten Kampf bekam Sandpelz schließlich doch die Flügel zu fassen und tötete sein hilfloses Opfer rasch.Triumphierend richtete er sich auf und glättete schnell seinen Pelz. Bestimmt würde Windstern stolz auf ihn sein. Er beschloss, den Vogel in die Kinderstube zu bringen. Sicherlich würden die Königinnen noch tagelang von ihm satt werden und die Jungen würden sich ebenfalls freuen. Vielleicht würde Wüstenstern ihm ja dann endlich einen Schüler geben!

Stolz schleifte er seinen Fang zurück ins Lager. Hier war schon alles auf den Beinen: Krieger, die zu Grenzpatrouillen unterwegs waren, Mentoren, die die Schüler zu Lektionen versammelten, Jungen, die den Katzen durch die Füße rannten und durch das Lager flitzen. Doch all dieses Treiben stellte sich ein, als Sandpelz die Kuhle betrat. Der Falke, den er im Schlepptau hatte, war größer als er selbst, was sich ziemlich aufsehenerregend auf die Katzenmenge ausübte. Gespräche verstummten und er spürte die Blicke aller Katzen auf sich.

"Hast du den Vogel ganz allein gefangen?", fragte Flusspfote. Ihre großen, gelben Augen weiteten sich.

"Ja", entgegnete Sandpelz mit einem Büschel Fell im Maul. "Er war gerade dabei, unsere Frischbeute zu stehlen." Bewunderndes Miauen ertönte von überall her, anerkennende Lobe fielen. "Was für ein Glück, dass manche Katzen doch nicht so verweichlicht sind!", brummte Krähenbart von seinem besonnten Stein aus. "Eine Katze könnte Tage damit überleben!", miaute Farnkralle. "Der LöwenClan kann stolz auf Kriger sein wie dich.", stimmte Windstern zu. Sandpelz wurde heiß unter dem Fell. "Ich werde das dann mal in die Kinderstube bringen.", miaute er und zog den Vogel hinter sich her in den meistgeschützten Teil des Lagers, in dem sich der Bau der Königinnen und Jungen befand.

"Sieh mal, Blitzschweif, was uns Sandpelz mitgebracht hat!", maunzte Spitzmausjunges und warf sich auf den Vogel, dicht gefolgt von seinem Bruder Natterjunges und seiner Schwester Fischjunges. Sandpelz brach unter dem Gewicht zusammen. Nur noch knapp konnte er sich vor dem Falken wegducken, der auf ihn zugerollt kam. Aus dem Spalt vor der Kinderstube kam eine schlanke, getupgte Kätzin heraus. Ihre Augen weiteten sich beim Anblick der Jungen, die die Frischbeute zerfledderten.

"Werdet ihr wohl sofort den Vogel in Ruhe lassen!", kreischte sie und sprang aus der Kinderstube. Mit einem flinken Griff hatte sie die Beute aus den Krallen der Jungen gelöst und in Sicherheit gebracht. "Beute ist zum Essen da, nicht zum Spielen!", miaute sie und sah ihre Jungen tadelnd an, doch diese hüpften nur weiter um sie herum. Seufzend wand sich Blitzschweif an Sandpelz. "Vielen Dank.", miaute sie. "Es wird langsam Zeit, dass sie die Kinderstube verlassen." Sie warf ihren Jungen einen liebevollen Blick zu. "Sie sind schon fast vier Monde alt. Windstern hat versprochen, dass er sie zu Schülern ernennt, sobald sie ihren dritten Mond vollendet haben. Es kann nur noch Tage dauern." Doch ihre Auge waren voller Sorge, als sie Sandpelz wieder ansah. "Aber das Problem ist, dass er erst ein paar Schüler zu Kriegern ernennen muss, sonst gibt es nicht genug Platz im Schülerbau."

"Sind denn Bergpfote und Flusspfote schon so weit?", fragte er und stellte sich die kleine Flusspfote vor, die ihm gerade einmal bis zur Nase reichte. "Schon, aber sie müssten eigentlich noch mindestens einen Mond lang trainieren. Sie sind beide erst ein Jahr alt.", entgegnete sie. "Hoffentlich werden sie noch vor meinen Jungen ernannt, dann sind auch neue Mentoren frei. Windstern hat gesagt, er wird wahrscheinlich ihre Mentoren für meine Jungen wählen." Sie sah zufrieden auf ihren Wurf, dem nun langweilig geworden war und nun Gefallen an der zuckenden Schwanzspitze Krähenbarts gefunden hatte, die von dem Stein der Ältesten hinabhing.

"Und dann noch ein Krieger, der keinen Schüler hat. Einer von euch wird Mentor.", miaute sie und betrachtete wieder Sandpelz. Dann schnurrte sie: "Ich hoffe, du wirst es." Sandpelz neigte dankend den Kopf. "Das hoffe ich auch. Aber sicherlich wären Farnkralle und Frostpelz ebenfalls gute Mentoren." Blitzschweif wog den Kopf hin und her, nickte dann aber. "Trotzdem wünsche ich, du bekämst einen von meinen Jungen zum Schüler.", miaute sie und wandte sich dann ab, um Natterjunges aus den Pfoten von Krähenbart zu befreien, der sich über das Junge hergemacht hatte.

Sandpelz betrachtete das kleine Junge. Wie stolz wäre er, sein Mentor zu sein! Dann machte er Kehrt und gesellte sich zu seinen Freunden, die vor dem Bau saßen und sich zu einer Grenzpatrouille versammelten.


2. Kapitel

SANDPELZ, FARNKRALLE! WINDSTERN möchte euch sehen." Sandpelz lag gerade in der Sonne und hielt Siesta, als Wüstenmähnes Ruf ertönte. Sofort war er auf den Beinen. Was wollte Windstern von ihnen? Würde er ihnen vielleicht sagen, dass sie Mentoren werden sollten? Sandpelz' Fell kribbelte. Farnkralle neben ihm döste weiter, öffnete nur lediglich ein Auge, mit dem er den Krieger müde anstarrte. Sandpelz stieß seinem Freund mit der Pfote in die Flanke. "Komm schon, du Faulpelz. Du hast wirklich was von einem Löwen.", scherzte er und fing sich dafür einen bösen Blick von Wüstenmähne. Über die edlen Vorfahren wurde in der Regel nur voller Stolz gesprochen, man nannte sie Könige der Wildnis und übersah dabei sorgsam die Tatsache, dass die goldfarbenen Tiere eigentlich die meiste Zeit des Tages verschlafen hatten und faul in der Sonne gelegen waren.

Endlich rappelte sich Farnkralle gemächlich auf, streckte erst ein Hinterbein, dann das andere und begann, sich den Rücken zu lecken. Doch Sandpelz wartete nicht auf den Getupften. Er sprang los zum ausgehöhlten Stein des Anführers und kündigte sich an. "Kommt herein", kam Windsterns Miauen. Mühsam kam nun auch Farnkralle herbei gehumpelt und folgte ihm in den Bau. Sandpelz war noch nie im ausgehöhlten Stein gewesen, dies war der einzige Teil des Lagers, den der sandfarbene Krieger noch nie betreten hatte. Es war dunkel hier drinnen, die Felsen warfen große Schatten in die Höhle, doch trotzdem wirkte sie erstaunlich groß. Von außen konnte man nur einen Teil des Eingangs sehen.

"Hallo, Sandpelz", miaute Windstern. Sandpelz erwiderte den Gruß, indem er den Kopf tief senkte. "Hallo, Farnkralle" Der graubraune Kater tat die gleiche Geste wie sein Freund. Der Anführer wies sie mit einer Schwanzgeste an, sich zu setzen. "Ich habe euch in meinen Bau rufen lassen, weil ich euch gerne bei der Großen Versammlung heute Nacht dabei haben möchte.", miaute er. Sandpelz ließ enttäuscht den Schwanz fallen, der neben ihm auf dem Boden gezappelt hatte. Er bemühte sich, eine freudige Miene zu machen. Es war eine große Ehre, zur Versammlung zu kommen. Meist wählte Windstern die kräftigsten Krieger, um vor den anderen Clans gut auszusehen, und so hatte Sandpelz sie nur einmal besucht, als er noch ein Schüler war.

"Außerdem wisst ihr ja, dass Blitzschweifs Junge bald zu Schülern ernannt werden können.", fuhr Windstern fort. Sandpelz spitzte die Ohren. "Und einen von euch möchte ich zum Mentor machen." Der Anführer blickte vom einen Krieger zum anderen und miaute dann: "Sandpelz, du hast mich heute sehr stolz gemacht. Krieger wie dich braucht der LöwenClan heute mehr denn je. Ich bin der Meinung, dass du nun bereit für deinen ersten Schüler bist." Unter seinem Fell lief Sandpelz heiß an. Das Lob des Anführers bedeutete ihm so viel! Er spürte, wie sich sein Fell vor Begeisterung sträubte und beeilte sich, es wieder glatt anzulegen. Endlich war es so weit: er würde Mentor werden! Nur eine Sorge hielt seine Freude in Grenzen. Die Niedergeschlagenheit seines Freundes schwappte ihm in Wellen entgegen. Windstern schien sie auch zu spüren. "Keine Sorge, Farnkralle.", miaute er. "Dunkelwolkes Wurf ist ebenfalls bald bereit. Noch dreieinhalb Monde. Ich bin mir sicher, dann wird es auch für dich Zeit für deinen ersten Schüler." Farnkralles Miene hellte sich auf. Für einen Moment war Sandpelz beeindruckt von dem Gedächtnis des Anführers, doch dann fiel ihm ein, dass er ja der Vater von Dunkelwolkes Jungen war.

Windstern streckte sich und wies die beiden Krieger mit einer Schwanzgeste an, den Bau zu verlassen. "Ruht euch jetzt aus, damit ihr heute Nacht fit seid.", rief er ihnen hinterher, als sie hinaus ins Lager traten.


Das Mondlicht schien über die Dünen, der helle Sand reflektierte den Schein. Sandpelz und Farnkralle hatten sich zusammen mit Wüstenmähne, Habichtflügel, Gipfelfuß, Silberwind, Bergpfote und Flechtpfote vor dem Anführerbau versammelt und warteten auf Windstern.

"Was meinst du, wie viele werden da sein?", fragte Farnkralle aufgeregt. Sandpelz zuckte mit den Schultern. "Aus jedem Clan fünf Krieger, der Zweite Anführer, der Anführer, zwei Schüler und...", zählte er auf. "Und Königinnen und Älteste. Freiwillig.", fügte sein Freund hinzu. "Genau. Meinst du, Staubblüte kommt mit?", fragte der Sandfarbene. "Ich glaub nicht, dass sie es mit ihrem Bauch schafft. Sie platzt ja fast." Farnkralle schmunzelte. Sandpelz nickte zustimmend. "Ich freu mich schon auf die neuen Jungen.", miaute er. "Ja, vielleicht bekommt dann ja auch Frostpelz einen Schüler.", überlegte der Getupfte. "Stimmt", meinte Sandpelz. An Frostpelz hatte er gar nicht gedacht. Aber sie hatte sich auch zurückgezogen. Als Farnkralle ihr die frohe Botschaft überreicht hatte, hatte sie ihnen nur kurz gratuliert und war dann abgehauen. Seitdem hatten sie sie nicht mehr gesehen. Dabei war Frostpelz die Älteste von ihnen. Sie wurde erst später zum Schüler ernannt, da sie im Winter geboren und lange krank war. Doch jetzt ging es ihr gut, sie war stark, nur ein bisschen kleiner als ihre Baugefährten. Als einziges von vier Jungen hatte sie überlebt. Das bewies doch, dass sie mindestens so kräftig war wie die anderen Krieger!

Endlich trat Windstern aus seinem Bau, dicht gefolgt von Falkenauge. Der Älteste stellte sich wie selbstverständlich zu den anderen. Er konnte einfach nicht akzeptieren, dass er zu alt war, um dem Clan als Krieger zu dienen, deshalb nahm er immer an allen Veranstaltungen teil, zu denen er durfte. Anders als seine Baugenossen, die das Seniorenleben genossen, sehnte er sich nach seiner Kriegerzeit zurück.

"Wir brechen jetzt auf!", rief Windstern den Katzen zu und sprang zum Lagerausgang, dicht gefolgt von seinen Clangefährten. Wilde Freude durchzuckte Sandpelz, als er die Böschung hinab jagte. Seine Pfoten fühlten sich an, als könnte er jeden Moment abheben. Am liebsten wäre er schneller gerannt, doch er wusste, dass er sich seine Kräfte sparen musste. Zum Großen Felsen und wieder zurück war ein weiter weg und er wollte später nicht abgehängt werden. Also drosselte er sein Tempo und ließ sich nach hinten zu seinem Freund zurückfallen. "Wie oft warst du schon auf der Großen Versammlung?", rief Farnkralle ihm durch den pfeifenden Wind zu. "Erst einmal!", brüllte Sandpelz zurück. "Damals war ich noch ein Schüler." Farnkralle nickte und entgegnete: "Ich auch! Aber ich kann mich an gar nichts mehr erinnern, nur daran, dass es furchtbar viele Katzen gab und ich mich zwischen den ganzen Pelzen verloren gefühlt hab!" Er musste mehrmals zum Sprechen ansetzen, da irgendein Vogel laut schrie und ihn übertönte. Als er geendet hatte, kamen sie nicht mehr viel zum Reden, da sie sich auf den Weg konzentrieren mussten. Sandpelz' große, jedoch leichte Pfoten kamen mit dem Sand gut klar, der um das Lager herum verteilt war, doch hier wurde er feiner und andauernd rutschte er aus. Die Katzen verlangsamten ihr Tempo. Obwohl sie alle es gewohnt waren, auf dem weichen Untergrund zu laufen, bereitete es ein paar immer noch schwierigkeiten. Flechtpfote strauchelte des öfteren und kam kaum voran und Bergpfote hielt sich zwar besser, war dennoch nicht so schnell wie seine Clan-Kameraden.

Nachdem sie lange vorwärtsgetrabt waren, taten Sandpelz' Pfoten weh. Er fragte sich, wie er es als Schüler geschafft hatte, diesen weiten Weg hinter sich zu legen. Doch endlich tauchten mehrere Büsche und Sträucher am Wegesrand auf, der Boden wurde härter, ein Zeichen dafür, dass sie sich dem Fluss näherten. Auch Farnkralles Miene hellte sich auf. "Ich kann das Wasser schon hören!", miaute er. Sandpelz spitzte die Ohren. Tatsächlich rauschte die Strömung ganz in der Nähe. Erleichtert beschleunigte er seine Schritte, so wie die anderen Katzen. Sie bogen um eine Düne und dann konnte er ihn sehen: Den Großen Felsen. Gigantisch ragte er mitten im Fluss auf, das schwarze Wasser schäumte an die Klippe. "Phantastisch!", raunte Farnkralle neben ihm. "Das ist also der Große Felsen. Ich hatte ihn anders in Erinnerung." Sandpelz nickte. "Nicht ganz so groß...Beim Großen SternenClan, wie lange war ich nicht hier?", murmelte er. Farnpelz unterdrückte ein Schnurren. "Du klingst wie ein Ältester!" Sandpelz hieb ihm sanft mit der Pfote auf's Ohr. "So ein Quatsch!", miaute er. Doch dann erinnerte er sich: er war kein Schüler mehr! Er musste sich benehmen wie ein Krieger, sonst überlegte Windstern es sich am Ende doch anders und gab ihm keinen Schüler! Verlegen stellte er sich gerade hin und leckte ein paar Male über sein Brustfell. Heute war er als Krieger da, der den Clan präsentierte. Er musste beweisen, dass der Anführer ihn nicht überschätzt hatte!


3. Kapitel

Sandpelz keuchte, seine Flanken hoben und senkten sich. Rasch leckte er sich seinen sich sträubenden Pelz glatt. Der Aufstieg zum Großen Felsen war sehr anstrengend gewesen. Doch jetzt waren sie endlich ober angekommen und lauerten in den Büschen, die um den Stein herum wucherten. Sandpelz konnte zwischen die dünnen Zweige spähen. Es war ein großartiger Anblick! So viele Katzen hatte er noch nie an einem Fleck gesehen. Oder glaubte es zumindest, schließlich hatte er kaum Erinnerungen an seinen letzten Ausflug auf die Versammlung. Seltsamerweise hatten die Katzen eine Vielfalt an unterschiedlicher Pelze, es gab orangefarbene, blaugraue, schwarz-weiße, rein schwarze oder weiße, schwarz-braun gestreifte, getupfte und schildpattfarbene. LöwenClan-Katzen hatten fahle, hellbraune Pelze, damit sie im Sand getarnt waren. Sandpelz war immer sehr stolz auf sein Fell gewesen, das ihn zu einem der besten Jäger im Clan gemacht hatte, doch diese Katzen schienen nicht in der Wüste zu leben. Als Junges hatte er von Clans gehört, die zwischen mächtigen Bäumen, auf schlammigem Moor und auf großen Wiesen jagten. Gab es wirklich noch andere Welten dort hinter dem Fluss? Sandpelz kannte nur die Dünen und den Sand, hier war er groß geworden. Doch er fragte sich, ob es sich nicht lohnte, einmal in die Territorien der anderen Clans zu schnuppern.

Er war so in Gedanken versunken, dass er das Zeichen fast übersehen hätte, das Windstern gab. Hastig stürmte er hinter den anderen Katzen her und stolperte dabei fast über seine eigenen Pfoten. Der Boden war hart und unangenehm. Sandpelz' Ballen rauten sich auf, doch er zwang sich, weiter zu rennen und sich zwischen den anderen Katzen zu verteilen. Er blieb immer dicht an Farnkralles Seite und verlangsamte mit ihn seine Schritte. Schon hatten sie sich mit den anderen Clans vermischt und landeten promt in einer Gruppe junger Krieger in ihrem Alter. Ein hellbraun gestreifter Kater mit weißen Pfoten erzählte gerade seinen Zuhörern von einem Fuchs, mit dem er allein gekämpft habe. Sandpelz und Farnkralle setzten sich zu ihnen. Sie tauschten einen fragenden Blick, keiner von ihnen wusste, was ein Fuchs war.

"Und er kam immer wieder zurück, gerissenes Biest!", miaute der Kater gerade. "Hauchpfote lag schon am Rande, ganz erschöpft, und ich rief ihr zu: ,Keine Sorge, Hauchpfote! Ich schaffe das!, Und Hauchpfote wünschte mir viel Glück und sah mich bewundernd an. Der Fuchs aber schlägt gerade nach mir aus. Flink ducke ich mich-" Er ließ sich theatralisch auf die Vorderpfoten fallen und zog den Kopf ein, "und weiche ihm aus. Ehe er sich versieht, haue ich ihm- eine links, eine rechts- ins Gesicht und jaulend klemmt er den Schwanz ein und rennt davon!" Stolz blickte er in die Runde und entdeckte dabei wahrscheinlich zum ersten Mal Sandpelz und Farnkralle. "Oh, hallo.", miaute er. Die beiden murmelten einen Gruß. "Seid ihr etwa aus dem LöwenClan?", fragte der hellbraune Kater. "Ja, das ist Farnkralle und ich bin Sandpelz.", stellte er sie vor. "Ich bin Wiesenpelz vom TigerClan", miaute der Kater. "Und das sind Fuchskralle und Seerosenpfote." Er deutete mit dem Schwanz auf zwei Katzen, einen dunkelroten Kater mit buschigem Pelz und einer kleinen Kätzin mit ungewöhnlich blauem Fell. Fast hätte Sandpelz aufgelacht, als er ihren langen Schwanz entdeckte, der sorgsam um die Pfoten geringelt war und fast zweimal um sie herum passte. "Lach nicht!", fauchte die Schülerin und ihr Schwanz sträubte sich zur doppelten Größe. "Das liegt bei uns in der Familie" Sie hob das Kinn und legte das Fell glatt an. "Mein Schweif ist etwas ganz Besonderes. Damit kann ich viel besser klettern als die anderen.", miaute sie und Sandpelz dachte an sein Fell, dass ihn so gut tarnte. Aber im Gegensatz zu ihrem Schweif sah es nicht so lächerlich aus. "Wozu sollte man klettern können?", fragte er zweifelnd. Die blaue Kätzin funkelte ihn mit zusammengekniffenen Augen an. "Vielleicht, weil man dann die besten Eichhörnchen fängt! Aber sowas habt ihr vom LöwenClan natürlich nicht. ihr fresst ja nur fade Vögel. Eher würde ich sterben, als so zu leben!" Sandpelz wurde wütend. "Beleidige nicht meinen Clan!", fauchte er und fuhr die Krallen aus, doch Farnkralle legte ihm warnend den Schwanz auf den Rücken. "Denk dran, wir sind auf einer Großen Versammlung. Wir dürfen nicht kämpfen", zischte er seinem Freund zu. Lauter miaute er: "Lass sie, das ist doch nur eine kleine LeopardenClan-Schülerin. Sie wird bestimmt noch irgendwann merken, dass man besser dran ist, wenn man drei große Falken fängt, als wenn man dreißig kleine Mäuse hat." Seerosenpfote warf ihm einen missbilligenden Blick zu. "Und was genau ist daran besser?", fragte sie, doch in diesem Moment ertönte ein lautes Miauen und die Katzen wandten ihre Köpfe zu dem großen Felsbrocken, auf dem die Anführer standen. Sandpelz beobachtete stolz, wie gut und mächtig Windstern dort stand, das Fell wehte im Wind und er blickte auf die Katzenmenge herunter. Einen Moment lang gab es ein kleines Durcheinander unter der Menge und Sandpelz war abgelenkt, im nächsten Herzschlag war Farnkralles getupftes Fell verschwunden. Der sandfarbene Krieger blickte sich um, doch er konnte seinen Freund nicht mehr finden. Er hatte jedoch keine Zeit zum Suchen, denn nun begann eine schlanke, dunkelbraun gestreifte Kätzin zu sprechen. "Im LeopardenClan läuft die Beute gut. Wir haben einen neuen Wurf Junge und zwei neue Schüler, Gimpelpfote und Otterpfote.", rief sie klar und deutlich über die Lichtung. "Das ist Salbeistern, unsere Anführerin", flüsterte eine Stimme hinter Sandpelz. Er drehte sich um und erblickte Seerosenpfote. Ihm fiel nichts ein, was er sagen könnte, er war so überrascht von ihrer plötzlichen Freundlichkeit, obwohl sie ihn kurz zuvor noch angefaucht hatte. "Wer ist euer Anführer?", fragte sie. "Der kleine mit den Flecken?" Empört drehte er sich zu den Anführern um Meinte sie wirklich Windstern? "Ich weiß nicht, wen du meinst.", flüsterte er zurück. "Unser Anführer heißt Windstern, er ist der, der ganz rechts steht." Er sah ihre  Augen blitzen. Doch er konnte nichts erwidern, denn Salbeistern hatte wieder andefangen zu reden. "Einer unserer Ältesten", miaute sie mit belegter Stimme, "ist vor einem Viertelmond zu seiner letzten Reise zum SternenClan angetreten. Wir trauern um Büffelpelz. Möge er in Frieden mit unseren Ahnen jagen." Einen Moment trat Ruhe ein, dann trat sie zurück und ein großer, schwarz-orange getigerter Kater schritt an ihre Stelle. "Im TigerClan gibt es keine Probleme. Wir sind so stark wie nie zuvor. Unsere Königinnen ziehen zurzeit sieben Junge auf und noch mehr sind unterwegs. Wir haben zwei neue Krieger, Mausekralle und Ahornzahn.", miaute er mit tiefer Stimme. Irgendwo in der Menge standen ein grauer und ein kräftiger, braun gefleckter Kater auf und die Katzen riefen ihre Namen. Sandpelz war etwas eifersüchtig, denn als er gerade zum Krieger ernannt worden war, hatte Windstern ihn nicht auf die Große Versammlung mitgehen lassen und er hatte nicht so einen Empfang bekommen.

Als die Rufe verklangen, erzählte der Anführer des TigerClans noch von der guten Beute und den starken Kriegern, die der Clan hatte, dann ließ er Windstern vortreten. Die grauen Flecken des Katers leuchteten wie Sterne im Mondlicht und seine Stimmer war fest und deutlich, als er sprach. "Der LöwenClan hat ebenfalls gute Nachrichten zu überbringen. Auch bei uns läuft die Beute gut, einer unserer Krieger hat heute Morgen allein einen ausgewachsenen Falken gefangen, von denen unsere Königinnen noch Viele Tage lang satt werden. Wir gratulieren Sandpelz zu diesem hervorragenden Fang!" Glückwünsche und Lobe schallten über den Felsen. Ehe Sandpelz reagieren konnte, war Seerosenpfote auch schon neben ihm. "Oh, ein Held ist er auch noch!", miaute sie mit schelmischem Blick. Wütend funkelte er zurück. "Ich brauche halt keinen mutantierten Schwanz zum Jagen." Ehe er darüber nachdenken konnte, waren die Worte auch schon hinaus. Es tat ihm leid, er wusste, dass es gemein klang. "Ich meine...", hob er an, doch Seerosenpfote hatte sich schon zurück gezogen. "Schon gut", miaute sie. "Aussehen ist halt Glückssache." Und dann war sie verschwunden. Sandpelz ärgerte sich über sich selbst. Er wollte sich bei der Schülerin entschuldigen, doch jetzt sprach Windstern weiter. Er würde sie später noch suchen.

"Dunkelwolke hat vor einem halben Mond Junge geworfen.", verkündete er und seine Augen leuchteten stolz. "Und in den nächsten Tagen werden zwei Schülern zu kriegern und drei Jungen zu Schülern ernannt. Unser Clan wächst also rapide." Er blickte noch einmal stolz auf seine Krieger, dann machte er einer dritten, schlanken und unscheinbaren Kätzin Platz. Sie war vollkommen schwarz, nur auf ihrer Stirn leuchtete ein weißer Fleck, der an eine Wolke erinnerte. Sandpelz erkannte sie von den Beschreibungen seiner Clan-Gefährten. Gewitterstern, die Anführerin des PumaClans! Ihre Stimme klang dünn und trotzdem gut verständlich. "Im PumaClan gibt es leider nicht nur gute Neuigkeiten.", miaute sie und klang dabei ziemlich wütend. "Otterstern, denkst du, wir haben euren feigen Beutediebstahl vergessen?" Ihre gelben Augen blitzten zum Anführer des TigerClans. Otterstern hieß er also. Der getigerte Kater verzog keine Miene. "Gewitterstern, du weißt genau, dass wir mehr Junge haben als ihr und deshalb mehr Beute benötigen.", verteidigte er sich, doch die schwarze Kätzin schnippte seine Wort nur mit dem Schwanz weg als verscheuche sie lästige Fliegen. "Versuche nicht, dich zu entschuldigen. Du hast gegen das Gesetz der Krieger verstoßen und dafür sollst du bestraft werden." Sie funkelte ihn zornig an, ihre Stimme klang wie das Zischen einer Schlange. "Ich, Gewitterstern, fordere den Teil des Territoriums, das zwischen den vertrockneten Sträuchern und dem Flussbett liegt." Die Katzen auf der Lichtung begannen zu tuscheln und Protestlaute ertönten. "Niemals!", rief ein dürrer, graubrauner Krieger mit schwarzer Schwanzspitze, doch die Anführerin übertönte ihre Stimmen. "Wenn ihr es uns nicht freiwillig gebt, dann werden wir darum kämpfen!", rief sie. "Ich lasse dir Zeit zum Nachdenken, Otterstern. Beim nächsten Vollmond erwarte ich deine Antwort, und egal, wie deine Entscheidung ausfällt, am gleichen Tag noch werden wir an unserer neuen Grenze unsere Markierungen setzen." Sie ließ die Worte auf den Getigerten einwirken, dann jaulte sie über den Felsen: "Die Versammlung ist beendet!"

Ein wildes Durcheinander brach aus. Die Katzen liefen orientierungslos über die Lichtung und wenn sie sich in die Quere kamen, fauchten sie sich feindselig an. Sandpelz hob den Kopf hoch über die Menge und suchte sie nach dem blauen Pelz von Seerosenpfote ab. Er erblickte sie bei einer Gruppe von Katzen, die sich bei Salbeistern versammelten. Auf der anderen Seite des Felsens stand Windstern und wank ihn zu sich. Sandpelz war hin und hergerissen. Er musste sich einfach bei der Schülerin entschuldigen! Aber immer mehr Katzen versammelten sich bei dem LöwenClan-Anführer. Egal. Er musste es wagen! Er stürmte über den Felsen, schlängelte sich zwischen den Katzen hindurch und kämpfte sich zu den LeopardenClan-Katzen durch. Endlich war er bei ihnen angelangt. Als Seerosenpfote ihn entdeckte, warf sie ihm einen fragenden Blick zu. Er gab ihr ein Zeichen, dass er mit ihr sprechen wollte. Sie machte sich von der Gruppe los und trabte zu ihm. "Was ist?", fragte sie und sah sich um, ob sie niemand beobachtete. "Ich wollte mich bei dir entschuldigen.", miaute Sandpelz außer Atem. Die blaue Kätzin zuckte mit den Schultern. "Ich bin dir nicht böse.", miaute sie leichthin. "Wirklich?", fragte Sandpelz verblüfft. Seerosenpfote nickte gnädig. "Ich bin das gewöhnt, glaub mir. Du bist nicht der erste, der sich über meinen Schwanz lustig macht." Sie senkte den Blick. "Nein!", widersprach der Krieger. "Es tut mir wirklich leid. Ich wollte das nicht sagen!" Sie blickte fragend zu ihm auf und bevor er nachdenken konnte, miaute er: "Ich finde deinen Schweif wundervoll." Seerosenpfote zog erst die Lider hoch, dann breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. "Dann...bis irgendwann mal." Sie drehte sich um und streifte Sandpelz' Flanke noch einmal mit ihrem Schwanz, dann war sie zwischen den Katzen verschwunden und drehte sich nicht mehr um.


4. Kapitel

SANDPELZ PUTZTE SICH GRÜNDLICH über das Fell. Farnkralle und Frostpelz, die bei ihm in der schattigen Kinderstube saßen, musterten ihn schief. "Du richtest dich bestimmt noch feiner her als dein Schüler.", bemerkte Frostpelz spitz. "Ach Blödfinn!", nuschelte Sandpelz durch ein Maul voller Fell. "Weißt du denn schon, welches von Blitzschweifs Jungen es wird?", fragte Farnkralle. "Und was du zuerst mit ihm machst? Wirst du uns dann mitnehmen?" Sandpelz schnurrte. "Du bist ja noch aufgeregter als ich!", stellte er fest. Sein Freund wich seinem Blick aus. "Ich muss ja nur schon mal üben für meinen ersten Tag als Mentor.", miaute er. Frostpelz streckte sich und ringelte sich in ihrem Nest ein. "Am besten, du lässt deinen Schüler den ganzen Tag lang Moos für die Kinderstube sammeln. Dann kannst du gar nichts falsch machen. Damit habe ich meinen ganzen ersten Mond verbracht." Sie gähnte und legte die Schnauze auf die Pfoten. Sandpelz legte den Kopf zur Seite und sah sie an. "Ich dachte eigentlich, ich zeige ihm den Fluss.", miaute er. Frostpelz riss plötzlich die Augen auf. "Den Fluss? An der LeopardenClan-Grenze?" Sandpelz blickte irritiert zurück. "Welchen Fluss kennst du denn noch?" Doch Frostpelz war auf einmal hellwach. "Ich komme mit.", entschied sie. "Oh, ich auch!", rief Farnkralle. Sandpelz sah seine Freunde zweifelnd an. "Das wäre echt schön Leute, aber ich wollte eigentlich den ersten Tag mit meinem Schüler allein verbringen.", miaute er. Frostpelz sah ihn misstrauisch an. "Du willst uns nicht dabei haben?", fragte sie. "Nein. Ich dachte nur, es würde vielleicht unsere Bindung stärken oder so...", erklärte er und fuhr seiner Freundin beschwichtigend mit dem Schwanz über den Rücken. "Du weißt schon, das Schüler-Mentor Verhältnis. Das muss doch gut sein." Doch Frostpelz hörte ihm gar nicht mehr zu. "Ich muss sowieso nochmal hin, dann kannst du mich ja gleich mitnehmen.", miaute sie schulterzuckend. "Warum musst du zum Fluss?", fragte Farnkralle. Frostpelz warf ihm einen funkelnden Blick zu. "Ich war dort gestern jagen und habe einen Fisch vergraben. Ich hatte keine Zeit mehr, ihn einzusammeln.", miaute sie. Farnkralle und Sandpelz wechselten einen ungläubigen Blick. "Wann warst du denn gestern Fische fangen?", fragte Farnkralle. Frostpelz kniff die Augen zusammen. "Nachdem ihr mir die frohe Botschaft mitgeteilt habt, dass ihr zur Versammlung geht und ich nicht.", fauchte sie und vergrub die Nase unter ihrem Schwanz. "Jetzt lasst mich schlafen, die Zeremonie ist doch sowieso erst nach der Siesta." Sandpelz blickte seinen Freund ratlos an. Doch es stimmte, nachdem sie von Windstern zurückgekommen waren, hatten sie Frostpelz nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich war sie immer noch eingeschnappt. "Das wird schon wieder.", flüsterte Farnkralle ihm zu und ringelte sich neben Frostpelz zusammen. Sandpelz seufzte und legte sich neben seine Freunde.


"Alle Katzen, die alt genug sind, seine Frischbeute selbst zu erlegen, mögen sich hier unter dem Hochstein zu einem Clantreffen versammeln!" Windsterns Ruf hallte über die Lichtung und weckte Sandpelz. Er hatte es tatsächlich geschafft, noch ein bisschen zu schlafen. Jetzt tauchte die untergehende Sonne die Halbhöhle in gleißendes Licht. Sofort war der Krieger wach. Er sprang auf und stupste Farnkralle in die Seite. Er überlegte, ob er auch Frostpelz wecken sollte, doch sie öffnete von allein die Augen. Im Bau der Krieger hatten außer ihnen noch Helltupfer, Falkenpelz und Sturmmähne Schatten gesucht. Falkenpelz und Helltupfer waren schon auf den Pfoten und warteten noch auf Sturmmähne. Sandpelz hörte sie reden. "Ich denke, Luchspfote wird eine wunderbare Kriegerin abgeben.", miaute Falkenpelz. "Welchen Namen wird Windstern ihr wohl geben? Vielleicht Luchsohr wegen ihrer Pinsel.", überlegte er. Helltupfer schien etwas ganz anderes zu sorgen. "Ich hoffe, er gibt mir Natterjunges. Ich habe ihn gesehen, als Wüstenmähne ihm ein paar Kampftechniken gezeigt hat. Er hatte sie schon fast perfekt drauf!" Sturmmähne rappelte sich auf und gesellte sich zu ihnen. Gemeinsam gingen sie hinaus, ihre Gespräche verklangen.

"Kommt schon", miaute Sandpelz seinen Freunden zu. "Das wird die größte Versammlung überhaupt!" Farnkralle hievte sich träge auf die Pfoten und auch Frostpelz kam müde zum Stehen. Sie trotteten Sandpelz hinterher, als er sich zu den Katzen setzte, die unter dem Hochstein Platz genommen hatten. Er gesellte sich zu Flusspfote, die offensichtlich erfreut über seine Anwesenheit war. Er lächelte ihr zu und sie senkte den Blick schnell auf ihre Pfoten. Sandpelz konnte die Hitze unter ihrem Pelz spüren. Farnkralle ließ sich an seiner anderen Seite nieder, neben ihm Frostpelz. Als er die beiden aus den Augenwinkeln beobachtete dachte Sandpelz, dass sie ziemlich gut zusammen passten. Vielleicht wurden sie ja eines Tages Gefährten.

Endlich waren alle Katzen eingetrudelt und Windstern begann zu reden: "Heute ist ein besonderer Tag.", rief er über die Menge. "Denn heute werden nicht nur drei neue Schüler, sondern auch zwei neue Krieger ernannt." Flusspfote hob schüchtern den Kopf, ihre Anspannung ging in Wellen von ihr aus. "Wir beginnen mit den Kriegern. Falkenpelz, bist du davon überzeugt, dass deine Schülerin Luchspfote bereit ist, zur Kriegerin ernannt zu werden?", fragte Windstern den hellbraunen Kater. "Ja, davon bin ich überzeugt!", brummte Falkenpelz stolz.Windstern fuhr fort: "Dann rufe ich meine Kriegerahnen an, auf diese Schülerin hinabzublicken. Sie hat hart trainiert, um eure edlen Gesetze zu erlernen und ist nun bereit, dem Clan als Kriegerin zu dienen." Er blickte Luchspfote, die neben ihrer Schwester saß, fest in die Augen. "Luchspfote, versprichst du, das Gesetz der Krieger zu ehren und deinem Clan zu dienen, selbst wenn es dich dein Leben kostet?" Luchspfote miaute laut: "Ich verspreche es!" Windstern lächelte. "Dann gebe ich dir nun mit der Kraft des SternenClans deinen Kriegernamen. Luchspfote, von diesem Moment an wirst du Luchsherz heißen. Der Clan ehrt deine Aufrichtigkeit und deinen Eifer und wir heißen dich als vollwertige Kriegerin willkommen." Er sprang von seinem Felsen herunter und legte Luchsherz seine Schnauze auf den Kopf. Die neu ernannte Kriegerin leckte seine Schulter und der Clan brach in Jubel aus. "Luchsherz! Luchsherz! Luchsherz!" Sandpelz fiel in den Gesang mit ein. Flusspfote rannte zu ihrer Schwester und drückte sich an sie. Schnurrend leckte sie ihr über den Kopf. "Jetzt bist du dran, Flusspfote.", flüsterte sie.

Die Rufe verklangen und Windstern kletterte wieder auf den Hochstein. "Sturmmähne, bist du davon überzeugt, dass deine Schülerin Flusspfote eine Kriegerin abgeben wird, auf die der Clan stolz sein kann?", fragte er den kräftigen, weiß-beigen Kater. Dieser nickte und miaute: "Davon bin ich überzeugt." "Dann", fuhr der Anführer fort, "empfehle ich sie hiermit meinen Kriegerahnen und bitte sie, auf diese Schülerin herunter zu sehen. Sie hat hart gearbeitet, um euren edlen Gesetzen folge zu leisten und ist nun bereit, zur Kriegerin ernannt zu werden." Seine Augen suchten die gestreifte Schülerin. "Flusspfote, versprichst du, das Gesetz der Krieger zu ehren und einzuhalen, selbst wenn du dein Leben dafür geben musst?" Flusspfote verschluckte sich vor Aufregung. "Ich verspreche es!", rief sie. "Dann gebe ich dir mit der Kraft des SternenClans deinen Kriegernamen. Flusspfote, von diesem Augenblick wird man dich Flussblüte nennen. Der LöwenClan ehrt deine Aufrichtigkeit und dein Geschick und heißt dich als vollwertige Kriegerin willkommen!" Er sprang von seinem Posten und legte ihr die Nase auf den Kopf. Als Flussblüte seine Schulter leckte, rief der Clan ihren Namen, angeführt von Sandpelz und Luchsherz. "Flussblüte! Flussblüte! Flussblüte!" Flussblüte zog den Kopf ein, konnte sich jedoch nicht vor ihrer Schwester und Bergpfote retten, die auf sie zustürmten. "Das nächste Mal werde ich zum Krieger ernannt!", quiekte Bergpfote und Flussblüte schnurrte. "Flussblüte ist ein wunderschöner Name!", miaute Luchsherz und presste sich gegen ihre Schwester.

Windstern, der wieder auf seinen Stein gesprungen war, gebot mit einem Schwanzzucken Ruhe. Als die Gespräche verstummten, rief er: "Ihr habt noch den ganzen Abend  zum Feiern. Aber zuvor möchte ich noch unsere drei ältesten  Jungen zu Schülern ernennen. Spitzmausjunges, Fischjunges und Natterjunges!" Die Katzen riefen ihre Zustimmung und Sandpelz' Herz schlug schneller.

"Spitzmausjunges!", rief der Anführer, "Du bist nun vier Monde alt und bereit, mit deiner Ausbildung zu beginnen. Von diesem Tag an bis zu seiner Ernennung zum Krieger wird dieser Schüler Spitzmauspfote heißen. Ich bitte meine Kriegerahnen, auf diesen Schüler aufzupassen, bis er in seinen Pfoten die Kraft eines Kriegers spürt." Er blickte sich in der Katzenversammlung um. "Dein Mentor wird Helltupfer sein!" Der gefleckte Kater warf einen Blick auf Natterjunges, der bei seiner Schwester und seiner Mutter stand und trabte dann vor zu Spitzmauspfote. "Helltupfer, du hast Frostpelz ausgebildet, die ihrem Clan ein großer Gewinn ist. Nun bitte ich dich, dem LöwenClan nochmals unter Beweis zu stellen, was für ein großartiger Mentor du bist." Helltupfer brummte etwas Zustimmendes und berührte dann die Nase seines neuen Schülers. "Spitzmauspfote! Spitzmauspfote!", riefen die Katzen, am lautesten Natterjunges. Dann traten die beiden zurück und Fischjunges wurde aufgerufen. "Fischjunges, von diesem Tag bis zu deiner Ernennung wirst du Fischpfote heißen.", rief Windstern. "Ich bitte den SternenClan, ihren Weg zu schützen, bis sie die Kraft eines Kriegers in ihren Pfoten vorfindet." Abermals ließ er den Blick durch die Katzenmenge schweifen. "Sandpelz!", rief er. Sandpelz' Herz machte einen Sprung vor Freude. Er stand auf und trat nach vorn. "Deine Mentorin war Habichtflügel. Du hast dem Clan lange genug gedient und bewiesen, dass du ein ehrbarer Krieger bist. Nun bist du bereit für deine erste Schülerin." Sandpelz neigte sich zu Fischpfote hinunter und berührte schnurrend ihre Nase. Die Schülerin zitterte vor Aufregung. "Keine Sorge, du machst das gut.", flüsterte Sandpelz. "Fischpfote! Fischpfote! Fischpfote!", ertönten nun die Rufe, angeführt von Spitzmauspfote. Die Schülerin trat mit ihrem Mentor zurück und sie setzten sich zu Spitzmauspfote und Helltupfer. Vom Rande der Versammlung aus beobachteten sie, wie Natterjunges zu Natterpfote wurde und Habichtflügel zur Mentorin bekam. "Natterpfote! Natterpfote! Natterpfote!", riefen die Katzen und umringten den neuen Schüler. Sandpelz sah, wie Helltupfer Habichtflügel durch seine zu Schlitzen verengten Augen anstarrte. Er fragte sich, was wohl in dem Krieger vor sich ging. Doch er hatte keine Zeit zum Grübeln. Fischpfote hüpfte schon um ihn herum. "Wann fangen wir mit dem Training an?", quiekte sie. "Ich will unbedingt raus aus dem Lager! Können wir heute schon anfangen?" Die hell gestreifte Schülerin sprang um ihren Mentor herum. Doch Sandpelz schüttelte den Kopf. "Nicht mehr heute.", miaute er. "Jetzt gehen wir erst einmal in den Schülerbau und richten dir ein Nest her. Dann kannst du dich ausruhen und Morgen bei Sonnenaufgang erwarte ich fit auf den Pfoten." Fischpfote ließ enttäuscht den Schwanz fallen. "Ich möchte aber jetzt gleich anfangen! Können wir nicht nur ganz kurz raus?", bettelte sie. Doch Sandpelz blieb hart. "Komm, wir gehen zu den anderen Schülern. Sonst bekommst du noch kein Material mehr für dein Nest." Er trabte zum Schülerbau, wo sich die anderen versammelt hatten.

"Wir können einfach die alten Schlafplätze von Luchsherz und Flussblüte nehmen und sie in drei teilen. Da passt ihr locker rein.", miaute Bergpfote und so machten sich die Schüler an die Arbei und zerrupften die Farne. "Also gut, wir sehen uns dann morgen früh, ja?", gab Sandpelz seiner Schülerin bescheid. "Okay, bis dann!", maunzte sie und machte sich an die Arbeit. Sandpelz seufzte und drehte sich um, doch plötzlich erkannte er eine vertraute Gestalt.

Seerosenpfote? Er fuhr herum, doch es war nur Graupfote, dessen Pelz im Mondlicht silbrig schimmerte.




5. Kapitel

SANDPELZ ERWACHTE DURCH ein Pieksen in seiner Flanke. "Heiliger SternenClan, was-", brummte er und öffnete die Augen. Neben ihm stand Fischpfote und stupste ihn an. Er fragte sich, ob sich so auch Farnkralle fühlte, wenn er ihn weckte und nahm sich vor, es beim nächsten Mal sanfter zu tun. "Fischpfote, es ist doch noch nicht mal Sonnenaufgang!", flüsterte er. Das war gelogen, die Sonne erschien schon hinter den Hügeln, doch der Mond leuchtete noch immer hell am Himmel. "Ich weiß, aber ich konnte nicht schlafen. Und da dachte ich mir, je früher wir anfangen, desto besser." Sandpelz stöhnte innerlich, doch er wusste, dass er keine Chance hatte. Er warf Farnkralle einen Blick zu. Der getupfte Kater hatte ihn ja eigentlich begleiten wollen, aber er war in der letzten Nacht jagen gewesen. Sandpelz beschloss, ihn schlafen zu lassen. Der Krieger rappelte sich auf und fuhr sich ein paar Male mit der Zunge über das Fell, bis es glatt anlag. "Na gut, dann komm mit. Wir haben heute viel vor.", flüsterte er. Aufgeregt tapste Fischpfote hinter ihm her, als er sich durch die schlafenden Katzen wand und hinaustrat. Draußen wehte ihm der frische Morgenwind durch das Fell. Er begann den Tag mit ein paar Dehnübungen und als seine Muskeln langsam locker wurden, fühlte er sich schon viel besser.

"Pass auf.", miaute er zu seiner Schülerin. "Du warst noch nie außerhalb des Lagers. Hier drinnen bist du sicher, kein Vogel der Welt würde es sich trauen, dich hier anzugreifen. Aber da draußen ist es gefährlich. Du musst also sehr vorsichtig sein, verstanden?" Er blickte sie ernst an und sie nickte brav. "Können wir dann jagen gehen?", fragte sie. Sandpelz schüttelte den Kopf. "Nicht heute. Zuerst werden wir üben, wie wir uns draußen zu bewegen haben." Fischpfote machte große Augen. "Wie meinst du das?", fragte sie. "Du musst dich flach auf dem Boden halten und trotzdem flink sein. Wir probieren es auf dem Weg zum Frischbeutebaum aus.", miaute er und bedeutete ihr, ihm zu folgen. Er schlich aus dem Lager und ließ sich in die Knie fallen. Rasch trabte er vorwärts und glitt dabei über den Boden. "Gesehen?", rief er über die Schulter zu Fischpfote. Die kleine Kätzin machte sich sofort daran, ihren Bauch dicht auf den Boden zu drücken und voran zu kriechen. Sandpelz unterdrückte ein Schnurren. Sie sah aus wie eine Raupe, die auf dem Sandboden vorwärts robbte. "Nicht schlecht", miaute er. "Aber du kannst vielleicht ein bisschen weiter nach oben kommen, sonst kommst du ja gar nicht voran!" Die Schülerin stemmte sich hoch. "Besser so?", fragte sie und zog sich vorwärts. "Ja, schon besser.", miaute ihr Mentor. "So kriechen wir jetzt zum Frischbeutehaufen." Fischpfote stöhnte. "Das ist aber anstrengend! Wie weit ist es denn?" Sandpelz schmunzelte. "Nur bis da unten. Siehst du den weißen Baum mit den knorrigen Wurzeln? Dort ist unser Futter versteckt!", rief er und blieb stehen, um auf seine Schülerin zu warten. Die hell gestreifte Kätzin verschmolz gut mit dem weißen Sand, doch in der Dämmerung leuchtete ihr Pelz. Sie war eine perfekte Zielscheibe für Raubvögel.

Den Rest des Weges hielt er sich dicht an ihrer Seite. Beim Frischbeutebaum angekommen miaute er: "Gut. Du kannst jetzt wieder normal laufen. Aber denk daran: Wenn du einen Vogel siehst, dann lässt du dich in diese Kauerhaltung fallen und suchst den nächsten Busch, verstanden?" Fischpfote nickte erleichtert. "Verstanden! Können wir uns jetzt etwas von der Beute nehmen?" Gierig betrachtete sie den Haufen von Vögeln, Mäusen und Fischen. "Ja, deshalb sind wir hier.", miaute Sandpelz und angelte einen kleinen Fisch für seine Schülerin und eine Maus für sich heraus. "Nach diesem Tier bist du benannt.", erklärte er. Fischpfote musterte die schuppige Beute misstrauisch. "Sturmmähne hat mal so einen mitgebracht.", erzählte sie und biss hinein. "Aber der hier schmeckt viel leckerer!" Sandpelz unterdrückte ein Schnurren und nahm einen Bissen von seiner Maus.

"Was unternehmen wir jetzt?" Fischpfote war aufgesprungen, kaum hatte sie ihren letzten Bissen verschluckt. "Jetzt zeige ich dir den Fluss.", entgegnete Sandpelz und verschlang hastig den Rest seiner Maus. Fischpfotes Augen leuchteten. "Sehen wir von dort aus dann den Großen Felsen?", fragte sie. Sandpelz schüttelte den Kopf. "Nein, der liegt nicht in unserem Terrirorium. Du wirst ihn nur dann zu Gesicht bekommen, wenn du an einer Großen Versammlung teilnimmst." Die Schülerin sah enttäuscht aus. "Vielleicht lässt mich ja Windstern beim nächsten Vollmond mitkommen.", miaute sie. "Vielleicht" Sandpelz schätzte ihre Chancen nicht gut ein, meistens kamen die älteren Schüler mit auf Versammlungen, damit der Clan stark aussah. Doch er wollte die kleine Kätzin nicht verstimmen. "Komm", rief er. "Wir wollten doch zum Fluss!" Er trabte los, Fischpfote rannte aufgeregt hinterher. "Werden wir einen LeopardenClan-Krieger sehen?", fragte sie. Sandpelz zuckte mit den Schultern. Woher soll ich das wissen? "Vielleicht", entgegnete er und dachte an Seerosenpfote. Vielleicht würde sie zufällig auch gerade dort sein. Er schüttelte den Kopf und verwarf den Gedanken. Das wäre zu großer Zufall!

Er führte seine Schülerin den kurzen Weg zum Fluss entlang und achtete darauf, nicht zu schnell zu laufen, damit sie noch mitkam. Nach kurzer Zeit konnte er auch schon das Wasser rauschen hören. Er hielt an. "Was ist?", fragte Fischpfote und kam schlitternd neben ihm zum Stehen. "Spitz die Ohren.", wies er an und sie stellte die Ohren nach vorn. "Was kannst du hören?" Die Schülerin dachte einen Moment angestrengt nach, dann miaute sie: "Den Wind...und da ist noch etwas. Das hört sich so an wie lauter Wind! Was ist das?" Sandpelz schmunzelte über ihren Vergleich. "Das ist der Fluss.", erklärte er und rannte los, Fischpfote war ihm dicht auf den Fersen. Schon wieder musste Sandpelz an Seerosenpfote denken. Doch es war unsinnig, sie gehörte zum LeopardenClan und er kannte sie nicht einmal. Wahrscheinlich hatte er seine Chancen ohnehin schon verspielt, wenn er je welche gehabt hatte. Er verwarf den Gedanken.

Sie bogen um eine Düne und schon lag der Fluss vor ihnen, breit und flach, Steine durchbrachen seinen Lauf. Fischpfote machte große Augen. "Das ist der Fluss?", fragte sie beeindruckt. "Ja", entgegnete Sandpelz. "Ich habe noch nie so viel Wasser gesehen!", staunte seine Schülerin und trat näher ans Ufer. "Sei vorsichtig", warnte Sandpelz. Fischpfote beugte sich weit nach vorn und betrachtete das klare Wasser. "Da sind ja winzige Fische drin!", rief sie. "Ja, hier gibt es viele Fische, die kaum größer sind als ein Grashalm. Aber wenn wir etwas weiter der Strömung folgen, dann kommt eine Stelle, wo wir viel größere finden." Fischpfote sprang begeistert auf. "Können wir da hingehen? Ich will einen Fisch fangen!" Sandpelz schnurrte. "Ich kann dir den Platz zeigen, aber wir werden dort nicht jagen." Enttäuscht sah sie zu ihm auf. "Warum nicht?" Sandpelz blickte auf sie herunter. "Weil ich dir erst einmal unsere Grenzen zeigen möchte. Wir werden noch bald zum Jagen kommen." Ihre Augen wurden größer und bettelnd. Sandpelz seufzte. "Na gut, ich kann dir ja zeigen, wie es geht, wenn wir schon hier sind. Aber du versuchst nicht, es nachzumachen, das wäre viel zu gefährlich." Fischpfote nickte erfreut und lief voraus. "Wo ist denn die Stelle?", rief sie. Sandpelz folgte ihr. "Ich möchte, dass du versuchst, sie selbst zu finden. Wo werden wahrscheinlich größere Fische sein?" Die Schülerin überlegte. "Wo das Wasser tiefer ist?" Ihr Mentor nickte. "Genau. Und wo sind wohl mehr Fische, direkt am Ufer oder weiter in der Mitte?", fragte er. Fischpfote dachte nach, die Augen immer auf den Lauf gerichtet. "In der Mitte. Aber wie komme wir dahin? Müssen wir schwimmen?" Sandpelz schüttelte den Kopf. "Nein, es gibt dort einen großen Stein, auf den wir springen können, ohne uns die Pfoten nass zu machen.", erklärte er. "Ja, nach dem Motto leben die LöwenClan-Katzen: Hauptsache nicht die Pfoten dreckig machen!", ertönte eine vertraute Stimme. Und sie kam nicht von Fischpfote.




Fortsetzung folgt...

Übrigens: falls ihr Rechtschreibfehler findet, könnt ihr sie gerne korrigieren, aber sonst bitte nichts verändern. =D

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